Match-Fixing, Wett- und Glücksspielkorruption im Sport

Worum geht es?

Sport ist ein Wettstreit zwischen Personen oder Teams, die sich darauf einigen, unter Befolgung derselben Regeln gegeneinander anzutreten. Der ungewisse Ausgang ist ein wesentlicher Bestandteil der Anziehungskraft des Sports und unterscheidet ihn von Kunst oder anderen Unterhaltungsbereichen.

Ist das Ergebnis vorbestimmt (oder zumindest ein Aspekt des Wettstreits), geht die Integrität des Sports verloren und damit ein Großteil seiner Bedeutung und Ausstrahlung für die Fans.

Match-Fixing stellt daher eine große Gefahr für den Sport dar. Es gibt zwei verschiedene Motive für Match-Fixing, beide schon mit Ursprüngen in der Antike. Erstens ist es möglich, Sport aus sportlichen Gründen zu manipulieren: Personen oder Teams können mit Geld oder anderweitig bestochen werden, damit sie einen bestimmten Wettkampf verlieren. Zweitens können Leute Geld machen, indem sie auf einen Wettkampf wetten, dessen Ausgang sie bereits kennen, weil sie ihn vorher manipuliert haben.

Viele glauben, dass die Ankunft des Online-Glücksspiels das Risiko für Match-Fixing aus finanziellen Motiven erhöht hat. Es ist möglich, Wetten über untere Ligen aus einem weit entfernten Land abzuschließen. Die globale Glücksspielindustrie (legal oder illegal) ist aufgrund ihres enormen Umfangs auch für das organisierte Verbrechen attraktiv und die verschiedenen Wettformen erhöhen womöglich den Wert von Insiderinformationen. Auch die Globalisierung spielt eine Rolle – Kriminelle, die auf Match-Fixing aus sind, können sich verbinden und sich mit Athleten, Trainern und Beamten aus aller Welt treffen.

Definitionen

Die Konvention des Europarates zur Bekämpfung von Manipulation von Sportergebnissen (2014) definiert die Manipulation von Sportergebnissen wie folgt:

“Eine vorsätzliche Anordnung, Handlung oder ein vorsätzliches Versäumnis mit dem Ziel der regelwidrigen Einflussnahme auf das Ergebnis oder den Verlauf einer Sportveranstaltung, um die Nichtvorhersagbarkeit einer solchen Sportveranstaltung gänzlich oder teilweise zu beseitigen, mit der Absicht, sich einen unzulässigen Vorteil für sich selbst oder Andere zu verschaffen.”

Die Definition umfasst Versuche, auf den Verlauf einer Veranstaltung Einfluss zu nehmen (sogenanntes “Spot-Fixing”) sowie auf das Gesamtergebnis. Es sind sowohl Spielmanipulationen aus sportlichen Gründen als auch zum finanziellen Vorteil eingeschlossen.

Der rechtliche Status von Spielmanipulationen ist ein komplexes Problem und variiert von Land zu Land.

Wie wird darauf reagiert?

Zwar sind Match-Fixing Skandale auf die ersten Tage des Sports zurückzuführen, der derzeitige Fokus im Kampf gegen die Gefahr des Match-Fixings geht aber auf die Jahre kurz nach 2000 zurück, mit einschlägigen Fällen in Sportarten wie Fußball, Cricket und Tennis.

Das IOC verfügt nun über eine eigene Strategie zur Verhinderung von Wettbewerbsmanipulation, die auf drei Säulen basiert:

a) Vorschriften und Gesetze
b) Sensibilisierung und Kapazitätsaufbau
c) Nachrichtendienste und Ermittlungen

Eine Vielzahl an internationalen und nationalen Sportarten haben eigene Integritätsteams gegründet. Das vielleicht berühmteste ist die Tennis Integrity Unit(2008), gegründet als eine gemeinsame Initiative der International Tennis Federation, der ATP, der WTA und des Grand Slam Board. Die Tennis Integrity Unit handelt unabhängig und erhält die meisten Informationen von Verwaltungskommissionen und Wettfirmen. Sie hat die Macht zu ermitteln und Sanktionen zu verhängen.

Im Jahr 2017 wurde die Athletics Integrity Unit eingerichtet. Wie auch die Tennis Integrity Unit arbeitet sie unabhängig vom internationalen Verband mit delegierter Autorität.

Die Gefahren der Spielmanipulation sind ebenfalls von Regierungen und internationalen Institutionen erkannt worden.

Eine beispielhafte Reaktion im nationalen Level ist die im Vereinigten Königreich vom Department for Digital, Culture, Media and Sport gegründete Sports Betting Group. Diese Gruppe bringt Repräsentanten quer aus allen Sportarten zusammen, um die Verwaltung zu übernehmen und den richtigen Umgang gegen die Risiken durch Korruption durch Sportwetten zu vermitteln. Es wurde ein Code of Practice für Verwaltungseinrichtungen veröffentlicht.

Das Council of Europe Convention on the Manipulation of Sports Competitions(2014) enthält genaue Maßnahmen, die von Mitgliedsstaaten in der EU und darüber hinaus implementiert werden müssen. Die Konvention handelt mit Vorsorge, Erkennung und Sanktionierung einer Spielmanipulation im Zusammenhang mit Sportwettbewerben. Das Ziel ist die Verbesserung vom Austausch von Informationen und der Zusammenarbeit zwischen national und international beteiligten Organisationen und anderen relevanten Beteiligten wie zum Beispiel Buchmacher. Während die Konvention 2014 angenommen wurde, erwartet man, dass der Prozess der Durchsetzung einige Zeit dauern wird.

In 2015 übernahm der IOC den Olympic Movement Code on the Prevention of the Manipulation of Competitions. Der Nutzen dieses Kodex ist, die Standards, disziplinären Prozeduren und Sanktionen der Match-Manipulationen zu definieren und über nationale Olympische Komitees, internationale Vereinigungen, deren Mitglieder und anderen von der IOC anerkannten Organisationen zu vereinheitlichen. Der Kodex ist mit dem Übereinkommen des Europarats konform.

Es hat sich eine kleine Industrie entwickelt, die Sportvereinen Dienste zum Reduzieren der Spielmanipulation anbietet. So bieten beispielsweise Organisationen wie Sportradar und Genius Sports Inhabern von Sportrechten und Behörden Überwachungs-, Präventions- und Aufklärungsdienste an.

Des Weiteren wurde erkannt, dass das Format von Sportwettbewerben so angepasst werden sollte, dass sie nicht versehentlich Anreize zur Spielmanipulation bieten. So sind beispielsweise die Risiken von Rundenturnierformaten bei einigen Sportwettbewerben inzwischen hinreichend gut verstanden, bei denen eine Einzelperson oder Mannschaft das letzte Spiel eventuell absichtlich verlieren oder unentschieden spielen kann, um sich einen bestimmten Gegner in der nächsten Runde zu sichern.

Die Sichtweise von I Trust Sport

Match-Fixing im Glücksspiel stellt eine fundamentale, weltweite Bedrohung für die Zukunft des Profisports dar. Obwohl das Problem der Spielmanipulation in der gesamten Sportwelt bekannt ist und sich neue Aufklärungsprogramme und andere Maßnahmen entwickelt haben, gibt es noch viel zu tun.

Für I Trust Sport stellen die folgenden Punkte Prioritäten für die Bekämpfung von Spielmanipulationen dar:

  1. Zwischen Regierungen, Strafverfolgungsorganen, Sportinstitutionen und der Glücksspielindustrie ist mehr internationale Kooperation und Informationsbereitstellung nötig.
  2. Eine generell gute Verwaltung ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Match-Fixing, ob durch Wetten oder sportlichem Zweck motiviert. Wenn Spieler beispielweise pünktlich bezahlt werden, sind sie für Annäherungsversuche von Spielmanipulierern weniger empfänglich. Gleichermaßen können Sportwettbewerbe so gestaltet werden, dass sie keine Anreize zum Verlieren oder für schwache Leistungen bieten
  3. Überwachung wird nun in den meisten großen Ligen und Sportarten gewährleistet, um nach auffälligen Wettmustern, vor allem in risikoreichen Sportarten wie Fußball, Cricket und Tennis, Ausschau zu halten. Dies wird sich weiter verbessern und festigen, während sich die Technologie und das Verständnis der Risiken entwickeln
  4. Der rechtliche Status von Sportkorruption variiert je nach Markt erheblich, wodurch Strafverfolgung schwierig wird. Das ultimative Ziel sollte es sein, die Gesetzgebung zu vereinheitlichen
  5. Die Glücksspielindustrie ist gefordert, einen erheblichen Teil der Kosten zur Bekämpfung von Match-Fixing zu übernehmen. Es gibt für einige Wettmärkte Vorschläge, einen Teil der Steuern, die von Wettanbietern derzeit entrichtet werden, entsprechend neu zuzuweisen


Bitte denken Sie daran, dass dies lediglich die Zusammenfassung eines komplexen Themas und somit keineswegs vollständig ist. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren und ihre Korrekturen oder Kommentare zum obigen Artikel zu schicken.

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Aktualisiert im Dezember 2018.

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